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Ökologische Innendämmung - Welche Materialien gibt es?

  • August von Erker
  • 19. April 2023 um 17:30
  • Erledigt

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  • August von Erker
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    • 19. April 2023 um 17:30
    • #1

    Altbau Forum hat einen neuen Artikel veröffentlicht:
    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da Sie keine Berechtigung haben, diesen Inhalt zu sehen.

    Zitat
    Als Heimwerker beschäftige ich mich immer wieder mit der Frage, wie man sein Zuhause effektiv dämmen kann. Auch die Verwendung ökologischer Materialien ist für mich ein wichtiger Aspekt. Eine Möglichkeit, diese beiden Ziele zu vereinen, ist die Innendämmung mit natürlichen Materialien.

    Eine Innendämmung kann eine gute Option sein, wenn eine Außendämmung nicht möglich ist oder zu aufwändig wäre. Sie kann dazu beitragen, den Wärmeverlust zu reduzieren, Energiekosten zu sparen und das…
  • Christof Le Coteau
    Altbau-Einsteiger
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    • 19. April 2023 um 21:04
    • #2

    ...bin gerade dabei, in unserem Haus in Frankreich Innenwände (Raumtrennwände) mit Schafwolle zu isolieren. Ist vom "Handling" ein wunderbares Material, fühlt sich toll an, ist gut zu verlegen - arbeite mit Matte als Rollware - und hat einen super Ausgleich-Effekt, was die Feuchtigkeit anbelangt...

    Dateien

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  • BBirke
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    • 6. Oktober 2024 um 18:10
    • #3

    Ich habe bei rein organischen, natürlichen Dämmstoffen immer die Sorge um den Brandschutz. Zwar sind Materialien wie Zellulose und Holzfaser behandelt, so dass sie, u.a. in Videos, mit einem Gasbrenner kaum zu entzünden sind. Wenn ein Brand jedoch über die Anfangsphase hinaus ist, kommt es auch darin durch die Hitze zu Pyrolyse und Freisetzung brennbarer Gase; sie brennen also dann mit.

    Ziemlich sicher sind diese Dämmungen besser als Polystyrol, das bei Hitze schmilzt und dann wie Benzin brennt.

    Es wären also vor allem Kombinationen organischer Dämmstoffe mit anorganischen Materialien interessant, wie Strohlehm und Hanfkalk, als zwei gängige Beispiele. Die Fasern sind eingebettet, dienen vor allem dazu, das Material porös zu halten. Strohlehm ist auch historisch von Bedeutung gewesen, wenn ich richtig sehe, u.a. zur Ausfachung von Fachwerkhäusern, oder für zusätzliche Dämmwände innen.

    Der größte Vorteil solcher Materialien könnte der Preis sein. Da es vergleichsweise primitive Inhaltsstoffe sind, kann man sie selbst in großen Mengen mischen und verarbeiten, ohne teurere Fertigprodukte kaufen zu müssen.

    Für DIY interessant könnten auch rein mineralische Dämmwände bzw. Putze sein, die Porosität und Dämmwirkung durch Blähglas, Perlit oder ähnliche, anorganische Schaummaterialien erreichen. Entsprechende Dämmputze als "Sackware" sind vergleichsweise sehr teuer, gerade, wenn man Spezialitäten, wie Verzicht auf Zement, will. Und aufgrund der mäßigen Dämmwerte braucht man große Mengen davon, typischerweise mehr als doppelte Dicke wie bei Styropor & Co.

    Worüber ich aktuell nichts weiß, ist, wie selbst gemischte Baustoffe im Hinblick auf gesetzliche Vorschriften zu KfW-Förderung und dergleichen zu bewerten sind. Im Gegensatz zu Platten, Dämmstoffpaketen oder Putzen haben sie ja keine genau definierte Wärmeleitfähigkeit; man kann sie lediglich schätzen und Vergleichswerte nehmen.

    In Frage kommen ansonsten moderne, mineralische Dämmmaterialien, wie Multipor (leichtere und porösere Variante von Ytong) mit Lambda ca. 0,04, Calciumsilikatplatten, teuer und mit mäßigen Dämmwerten (0,05-0,07?), Dämmputze mit Perlit oder Blähglas, auch teuer und Dämmwert nur 0,07-0,08. Multipor wird zwar als kapillaraktiv beworben, ist aber wohl hydrophobiert, was dies zumindest stark einschränkt. Dennoch ein gutes Material auch für Innendämmungen.

    Last but not least: Aerogel. Z.Z. noch extrem teuer und daher meist allenfalls für Nischenanwendungen, wie etwa Fensterlaibungen, sinnvoll. Außerdem gibt es Aerogel in verschiedenen Formen: Schüttung, Matten oder Dämmputz. Die Matten haben eine Trägersubstanz aus Kunststoff und sind meist hydrophobiert, haben also ähnliche Eigenschaften und Probleme wie andere, synthetisch-organische Dämmstoffe, wie schwache Brennbarkeit und fehlende Kapillaraktivität, folglich höheres Vernässungsrisiko. Aerogel-Dämmputze haben in der Summe (mit den herkömmlichen Putzbestandteilen) etwa Dämmwerte, die Styroporplatten entsprechen, im Lambda 0,03x-Bereich. Vorteil ist, wie bei anderen Dämmputzen für innen, Kapillaraktivität und damit Feuchteableitung und relativ hohe Schimmelsicherheit. Hauptvorteile: Anorganisch, nicht brennbar, keine absehbaren Umweltprobleme (nur Kieselsäure).


    Noch eine Meinung zum Thema "Öko":

    Die Frage, was "öko" ist, lässt sich auch nicht immer eindeutig beantworten; rein mineralische oder natürlich-organische Stoffe sind aber wohl besser als schwer zu entsorgendes Material, das wegen Zusatzstoffen nicht mal ohne Probleme in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden kann. Doch auch unökologische Baustoffe, wie Phenolharzplatten oder PIR, sind zwar meist zu vermeiden, aber manchmal sinnvoll, wenn es vom Platz her nicht anders geht, eine wirksame Dämmung zu erzielen. Wenn sie durch Alukaschierung oder Dampfbremsfolien vom Wohnraum abgetrennt sind, kommen zumindest keine evtl. Schadstoffe durch.

  • BBirke
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    • 6. Oktober 2024 um 18:35
    • #4

    Sehr interessant, und bei Facebook leider untergegangen: Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts zu ökologischen Dämmstoffen, gerade im Hinblick auf Kapillaraktivität und Vernässungsrisiko.

    Es gab verschiedene Dokumente, am umfangreichsten war dieses zum neuen europäischen Leitfaden für Innendämmungen.

    Es ist auf der Seite wufi.de, der bekannten Berechnungssoftware des Fraunhofer-Instituts für Dämmungen, hinterlegt (gewesen?).

    Leider bekomme ich für das Dokument z.Z. nur einen "503 Service Unavailable"-Fehler, wie auch für wufi.de selbst. Wenn es wieder auftaucht, würde ich ggf. dazu einen eigenen Thread machen - wobei auch der hier nicht unpassend ist.

    Neuer Europäischer Leitfaden für Innendämmungen | WUFI (de)

  • BBirke
    Altbau-Einsteiger
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    • 6. Oktober 2024 um 21:08
    • #5

    Als wesentliches Grundergebnis bei den Fraunhofer-Versuchen ist mir in Erinnerung, dass die raumseitige Oberfläche nur wenig diffusionsoffen, ggf. mit einer hemmenden Schicht überdeckt sein sollte. Der Grund war einfach, dass es innen sonst zu einer schnelleren Feuchteansammlung oder gar Vernässung kommen konnte.

    Es wurde, wenn ich mich recht erinnere, empfohlen, den sd-Wert der Oberfläche nahe an die Grenze der definierten Diffusionsoffenheit (sd 0,5m) zu bringen (unklar, wie es sich bei Dämmstoffen selbst verhält). Ein Kalk- oder Kalkzementputz müsste dafür 2,5cm dick sein; bei Calciumsilikat-Platten gab es bei größeren Dicken (ich meine 10 oder 12cm) ohne zusätzliche Diffusionshemmung eine Auffeuchtung.

    CaSi-Platten sind mit µ=3 recht diffusionsoffen, Multipor Mineralschaum ist ähnlich (Luft ist der Maßstab, Widerstand dimensionslos: µ=1 , beim sd-Wert ist 1 der Diffusionswiderstand von 1m Luft). Ein Putz auf der Innendämmung, mit µ=20 müsste 1/20m, = 5cm dick sein, um sd 1 zu erreichen, und 2,5cm, um sd 0,5 zu erreichen. D.h. diese Dämmmaterialien haben nur wenig Diffusionswiderstand.

    Idealerweise sollte es bei solchen Innendämmungen zu kapillarem Rücktransport in Richtung Wandoberfläche kommen. Logischerweise kann der aber erst einsetzen, wenn im Dämmstoff flüssiges Wasser ausfällt, also nahe dem Taupunkt. Idealerweise sollten diese Baustoffe an einem nicht feuchteempfindlichen Untergrund anliegen, so dass eine Luftsättigung nahe 100% Wasserdampf, und Kontakt mit einer etwas feuchten Dämmplatte, ihm nichts ausmacht. Kapillaraktive Dämmstoffe sollten das Wasser dann zur warmen Oberfläche zurück transportieren und verdunsten lassen, was ihr Vorteil gegenüber Holz, Zellulose usw. ist, sofern die Wasser nur zeitweise speichern können, irgendwann aber doch vernässen.

    Die Fraunhofer-Tests waren darauf ausgerichtet, dass nicht über lange Zeit in den Dämmstoffen Auffeuchtung stattfindet; von daher kann die Auffeuchtung bei kapillaraktiven Stoffen, bei entsprechendem Untergrund, unproblematisch sein.

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