Tipps aus der Praxis für Altbau, Denkmal & DIY-Projekte
Alte Wandmalereien, Schablonen oder Farbfassungen sind echte Zeitzeugen. Wer sie im Altbau entdeckt, steht oft vor der Frage: Erhalten oder überdecken?
Meine klare Altbau-Expertenmeinung: Wenn es irgendwie geht – erhalten! Mit etwas Know-how lassen sich solche Fundstücke nicht nur schützen, sondern richtig stark in Szene setzen.
In diesem Artikel zeige ich Dir praxisnahe Tipps, wie Du alte Wandmalerei sicher freilegst, konservierst und gestalterisch einbindest – egal ob Anfänger oder erfahrener Selbermacher.
Warum alte Wandmalerei unbedingt erhalten werden sollte
- Sie erzählt die Geschichte des Hauses
- Sie macht Räume einzigartig
- Sie steigert den Charakter und oft auch den Wert
- Sie ist heute kaum reproduzierbar
Gerade im Altbau sind solche Schichten oft 100 Jahre und älter – einmal zerstört, sind sie für immer weg.
1. Erst prüfen, dann handeln
Bevor Du irgendetwas abschlägst oder schleifst:
Das solltest Du checken:
- Ist es Farbe, Schablone, Tapete oder Kalkmalerei?
- Auf welchem Untergrund liegt sie? (Ziegel, Kalkputz, Lehm)
- Wie fest haftet die Schicht?
Wichtig:
Keine Schleifmaschine, kein Hochdruck, keine Drahtbürste!
2. Alte Wandmalerei vorsichtig freilegen
Wenn noch neuere Schichten darüber liegen:
Geeignete Methoden:
- Spachtel mit abgerundeter Kante
- Skalpell / Cutter mit Gefühl
- Anfeuchten mit Wasser (nur leicht!)
- Geduld statt Kraft
Finger weg von:
- Multitool
- Winkelschleifer
- Chemischen Abbeizern (meist fatal)
Tipp: Arbeite Dich schichtweise vor – oft kommen mehrere historische Ebenen zum Vorschein.
3. Oberfläche sichern und konservieren
Freigelegt heißt noch nicht geschützt.
Bewährte Möglichkeiten:
- Mineralische Fixative (diffusionsoffen!)
- Bei Lehm: leichtes Nebeln + Lehmfeinputz-Rand
Keine Acryl-Tiefgründe oder Kunststoff-Lacke – die zerstören Atmungsaktivität und Optik.
4. Alte Wandmalerei bewusst in Szene setzen
Hier entscheidet sich, ob es „Baustelle“ oder Statement wird.
Möglichkeiten zur Gestaltung:
- Wandmalerei als Sichtfeld, Rest Wand ruhig halten
- Rahmen aus Holz, Stahl oder Putzkante
- Spot- oder Streiflicht von oben oder seitlich
- Kombination mit rohem Ziegel oder Kalkputz
Weniger ist mehr: Die Wandmalerei soll wirken – nicht konkurrieren.
5. Typische Fehler (bitte vermeiden!)
- „Einfach drüberstreichen“
- Versiegeln mit Dispersionsfarbe
- Abschlagen aus Ungeduld
- Alles freilegen, ohne Plan
Altbau verzeiht viel – aber nicht alles 😉
7. Wann solltest Du einen Profi holen?
- Bei sehr feinen oder großflächigen Malereien
- Bei Feuchte- oder Salzschäden
- Wenn Denkmalauflagen bestehen
- Wenn Du unsicher bist
Manchmal reicht schon eine kurze Begutachtung, um teure Fehler zu vermeiden.
Fazit: Alte Wandmalerei ist kein Makel – sondern ein Schatz
Was früher einfach übertapeziert wurde, ist heute ein echtes Highlight.
Mit Geduld, Respekt vor dem Material und der richtigen Inszenierung wird aus einer alten Wand ein Gesprächsstück mit Geschichte.
Hast Du selbst schon alte Wandmalerei entdeckt?
Teile Dein Projekt gern im Abenteuer Altbau Forum oder in der Community – genau solche Funde machen Altbau lebendig.
Weitere interessante Links:
Wandmalereien restaurieren: Methodik zwischen Kunst und Bausubstanz erhalten – denkmalpflege-schweiz.ch – Neues rund um Denkmalpflege in der Schweiz

